Long-/Post-COVID-Sprechstunde
Strukturierte Abklärung und Begleitung bei anhaltenden Beschwerden nach einer Infektion.
Warum wir diese Sprechstunde anbieten
Viele Menschen leiden noch Wochen oder Monate nach einer COVID-19-Infektion unter Erschöpfung, Konzentrationsstörungen, Kreislaufproblemen oder anderen Beschwerden. Für die Betroffenen ist das oft eine große Belastung – zumal die Beschwerden im Alltag häufig nicht ernst genommen werden.
Ich habe mich deshalb intensiv mit dem Krankheitsbild beschäftigt und bilde mich fortlaufend weiter. In der Sprechstunde nehmen wir uns die Zeit, die eine sorgfältige Abklärung erfordert.
Podcast zum Thema
„Über kurz oder lang – Long-Covid in der Hausarztpraxis“, entstanden in Zusammenarbeit mit der Medical Tribune.
Was ist Long COVID?
Als Long COVID bezeichnet man gesundheitliche Beschwerden, die länger als vier Wochen nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 fortbestehen oder neu auftreten. Halten sie länger als zwölf Wochen an und lassen sich nicht anders erklären, spricht man vom Post-COVID-Syndrom.
Das Phänomen ist nicht völlig neu: Auch nach anderen Virusinfektionen kann es zu lang anhaltender Erschöpfung kommen. Bei vielen Betroffenen bessern sich die Beschwerden mit der Zeit. Ein Teil entwickelt jedoch ein Krankheitsbild, das der Myalgischen Enzephalomyelitis / dem Chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS) entspricht.
Was im Körper passiert
Die Ursachen sind noch nicht abschließend geklärt; die Forschung dazu ist intensiv. Diskutiert werden unter anderem eine anhaltende Fehlregulation des Immunsystems, im Körper verbliebene Virusbestandteile, die Reaktivierung anderer Viren, Autoimmunprozesse sowie Störungen der Blutgefäße und des autonomen Nervensystems. Wahrscheinlich wirken bei vielen Betroffenen mehrere Mechanismen zusammen.
Mögliche Beschwerden
Die Beschwerden sind vielfältig und können einzeln oder kombiniert auftreten.
Allgemeinbefinden
Ausgeprägte Erschöpfung (Fatigue), eingeschränkte Belastbarkeit, nicht erholsamer Schlaf
Herz und Kreislauf
Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen, Kreislaufprobleme im Stehen
Nervensystem
Konzentrations- und Gedächtnisprobleme („Brain Fog“), Kopfschmerzen, Wortfindungsstörungen
Lunge
Atemnot bei Belastung, anhaltender Husten
Stoffwechsel und Gefäße
Neu auftretender oder entgleister Diabetes, hormonelle Störungen, Thromboserisiko
Magen-Darm-Trakt
Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Unverträglichkeiten
Häufige Muster
Belastungsintoleranz (PEM)
Typisch ist eine Verschlechterung nach körperlicher oder geistiger Anstrengung, oft zeitverzögert um Stunden bis Tage. Schon alltägliche Aktivitäten können ausreichen. Fachlich spricht man von Post-Exertioneller Malaise (PEM).
Kreislaufregulation
Viele Betroffene reagieren im Stehen mit Herzrasen oder Blutdruckabfall, etwa im Rahmen eines posturalen Tachykardiesyndroms (POTS). Ein einfacher Steh-Test gibt hier oft schon wichtige Hinweise.
Histamin-Unverträglichkeit
Manche entwickeln nach der Infektion Beschwerden, die auf eine Überaktivierung von Mastzellen hindeuten können – etwa Juckreiz, Verdauungsprobleme oder Kreislaufsymptome.
Diagnostik in unserer Praxis
- Allgemein: ausführliche Anamnese, körperliche Untersuchung, Laboruntersuchungen inklusive Antikörperbestimmung
- Herz und Kreislauf: EKG, Langzeit-EKG, Belastungs-EKG, Herzultraschall, Steh-Test
- Lunge: Lungenfunktionsprüfung
- Gefäße: Ultraschall der Arterien und Beinvenen
- Stoffwechsel: Abklärung von Diabetes, Stoffwechsel- und Hormonstörungen
- Bauchorgane: Ultraschall des Bauchraums, gezielte Laboruntersuchungen; bei Bedarf veranlassen wir eine Magen-Darm-Spiegelung
Behandlung
Eine ursächliche Therapie gibt es bislang nicht. Die Behandlung richtet sich deshalb nach Ihren individuellen Beschwerden und Befunden und wird im Verlauf regelmäßig überprüft.
Grundlage: Pacing
Der wichtigste Baustein ist ein angepasster Umgang mit den eigenen Kräften. Aktivität wird so dosiert, dass keine Verschlechterung eintritt. Das widerspricht der Intuition, dass Training immer hilft – bei Belastungsintoleranz kann Überforderung die Beschwerden jedoch verstärken. Gemeinsam erarbeiten wir, wo Ihre Grenzen liegen.
Ergänzende Therapie
Je nach Befund kommen symptomlindernde Maßnahmen in Betracht, zum Beispiel zur Stabilisierung des Kreislaufs oder bei nachgewiesenen Mangelzuständen. Einige Behandlungsansätze sind für Long COVID nicht ausdrücklich zugelassen (Off-Label-Anwendung). Ob ein solcher Ansatz für Sie infrage kommt, besprechen wir ausführlich – einschließlich Nutzen, Risiken und Kosten.
Ablauf der Sprechstunde
1. Erstgespräch
Vorab erhalten Sie einen ausführlichen Fragebogen. Bitte senden Sie uns zusammen damit alle bisherigen Befunde und Berichte. So können wir im ausführlichen Erstgespräch bereits erste Schritte und weitere Diagnostik empfehlen.
2. Folgegespräch
Nach ersten Behandlungen und Untersuchungen besprechen wir die Ergebnisse, überprüfen die getroffenen Therapieentscheidungen und passen sie bei Bedarf an.
3. Regelmäßige Kontrollen
Weil sich Beschwerden und Forschungsstand verändern, sollte die Behandlung etwa alle drei bis sechs Monate überprüft werden.
Termin und Kosten
Bitte schreiben Sie uns eine E-Mail an mail@hausarzt-erbach.de oder rufen Sie uns an (Montag bis Freitag, 8:30 bis 11:00 Uhr). Wir melden uns bei Ihnen; aufgrund der vielen Anfragen kann das etwas dauern.
Vor dem Erstgespräch schließen wir einen Behandlungsvertrag – gerne elektronisch. Die Abrechnung erfolgt nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ); die Rechnung erhalten Sie per E-Mail. Laboruntersuchungen stellen die beauftragten Labore direkt in Rechnung.
Gesetzlich Versicherte können die Sprechstunde als Selbstzahler in Anspruch nehmen; über die voraussichtlichen Kosten informieren wir Sie vor Behandlungsbeginn.
Terminabsagen
Ihr Termin wird ausschließlich für Sie eingeplant. Bitte sagen Sie ihn deshalb spätestens 48 Stunden vorher ab, damit wir ihn anderweitig vergeben können.
Später abgesagte Termine berechnen wir gemäß Behandlungsvertrag mit 50 Prozent, nicht wahrgenommene Termine ohne Absage in voller Höhe.
Informationen und Selbsthilfe
Austausch mit anderen Betroffenen hilft vielen. Diese Anlaufstellen bieten verlässliche Informationen und Unterstützung: